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„Ich bin ein glühender Verfechter einer einheitlichen Ärzteschaft!“
Aktuell im Gespräch mit Dr. med. Werner Hessel, dem Vorsitzenden der Ärzte-Union Brandenburg
Entnommen aus KV intern 7/2007
Herr Dr. Hessel, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Wiederwahl an die Spitze der Ärzte-Union Brandenburg. Vielen Dank.
Neben Ihnen haben sich auch die anderen Vorstandsmitglieder zur Wiederwahl gestellt; ihnen einen nicht minder herzlichen Glückwunsch! Solch eine Wahl ist immer auch eine Zäsur und ein Rückblick auf das Geleistete. Wie fällt der aus? Insgesamt positiv, und darauf bin ich schon ein wenig stolz. Entgegen allen Unkenrufen gibt es uns auch im fünften Jahr noch. Wir haben mit vielen, auch von uns initiierten, Aktionen, im vergangenen Jahr zu den Protesten der brandenburgischen Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten erheblich beigetragen.
Wo setzt die Ärzte-Union ihre Akzente? In der jetzigen turbulenten Zeit, in der sich – zumindest auf Verbandsebene – die Ärzteschaft zerstritten wie noch nie präsentiert, wollen und werden wir alles unternehmen, um dem entgegen zu wirken. Diese Separierung oder Spaltung ist unerträglich, und sie ist existenziell gefährlich. Es geht um uns, die Ärzte an der Basis, es geht um die Versorgung der Patienten, und eben nicht um die Partikularinteressen einiger gewählter Funktionäre!
Sind diese Risse denn überhaupt noch zu kitten? Warum sollten wir kapitulieren? Nein, wer nicht um seine Überzeugungen ringt, hat schon verloren.
Es scheint jedoch, als hätten sich viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen mit dieser Situation abgefunden. Es mag einige geben, bestimmt. Aber das Gros – und das merke ich bei vielen Veranstaltungen, in persönlichen Gesprächen oder auch bei Telefonaten immer wieder – macht sich schon große Sorgen. Unsere Aufgabe als Ärzte- Union muss es sein, diese Sorgen zu bündeln und daraus Kräfte freizusetzen, einer solchen fatalen Entwicklung Einhalt zu gebieten.
Ist das leistbar? Natürlich ist es schwierig. Wir sind Ehrenämtler, haben unsere Praxen. Aber es ist auch reizvoll. Außerdem stehen wir doch nicht alleine da. Im Gegensatz zu anderen ärztlichen Organisationen verstehen wir uns zur KV-Struktur nicht als Konkurrent, sondern als Partner, als ein der KV zugewandter Partner. Wissen Sie, ich bin ein glühender Verfechter einer einheitlichen Ärzteschaft. Und da lasse ich mich auch von niemandem abbringen!
Die Ärzte-Union wurde gegründet, damit nach einer Zerschlagung der KVen eine Organisationsstruktur gewissermaßen parat steht … … richtig! 2003 standen die KVen zur Disposition. Sie abzuschaffen, sahen nicht wenige Politiker als Notwendigkeit. Auch wenn heute die Situation eine andere ist, sind doch die Inhalte, die uns zur Gründung veranlasst hatten, die gleichen. Als Ärzte-Union können wir viel offensiver, deutlicher, nachhaltiger gemeinsame Interessen vertreten als die Körperschaft KV. Und wir müssen uns nicht maßregeln lassen, beispielsweise durch die ministerielle Aufsicht!
Sie selbst sind mehr ein Mann der leiserenTöne. Ist die Ärzte-Union manchmal zu leise? Was mich betrifft – da haben Sie recht. Nein, bei der Ärzte-Union bin ich anderer Meinung. Wir haben uns zu vielen aktuellen Dingen – nehmen Sie nur die Protestaktionen in mehreren brandenburgischen Städten im vergangenen Jahr - sehr deutlich bemerkbar gemacht. Wir wurden gehört und als Initiator anerkannt. Wir haben mit einer gezielten Informationspolitik sehr wohl mit dazu beigetragen, die Kollegen, aber auch viele anderen Menschen aufzuklären und zu sensibilisieren.
Reicht das? Diese Frage möchte ich nicht mit einem Ja oder Nein beantworten. Es hängt immer von der konkreten Situation ab. Natürlich können wir noch einiges besser machen, ja, vielleicht auch lauter sein. Aber sich immer und zu allem lautstark zu Wort zu melden, halte ich nicht für den richtigen Weg.
Manchmal habe ich den Eindruck,Ihre Kollegen müssen wach gerüttelt werden. Dieser Eindruck täuscht nicht. Wir müssen aber wachrütteln vor allem mit Argumenten, im direkten Gespräch. Und wir müssen wachsam sein.
Inwiefern? Wie oft sind wir in den letzten Jahrenvon der Politik geprellt, verschaukelt worden? Ich erinnere an die Regelungen zu Hartz IV, die uns pro Quartal mehrere Millionen Euro aus der Gesamtvergütung gezogen haben. Das hat die Politik nicht gestört, aber wir waren die Dummen und haben die Zeche bezahlen müssen.
Herr Dr. Hessel, die Ärzte-Union hatjetzt knapp 300 Mitglieder. Das heißt, jeder zehnte brandenburgische Vertragsarzt ist ein „Unionler“. Reicht dieses Gewicht in der politischen Auseinandersetzung? Mehr Mitglieder wären letztlich natürlich auch ein besseres „Argument“. Aber jeder Zehnte ist doch eine Größe, ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.
Wie wollen Sie weitere Mitglieder gewinnen? Es geht nur mit Information und Überzeugung. Beides werden wir verstärken.
Herr Dr. Hessel, vielen Dank für das Gespräch.
Gefragt und notiert von Ralf Herre
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