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Schreiben an die Cottbuser Vertragsärzte zum Aktionstag 17.11.2005
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die jüngsten Honorarkürzungen bedrohen die wirtschaftliche Existenz unserer Arztpraxen. Ursächlich ist die chronische Unterfinanzierung des ambulanten Gesundheitswesens in Ostdeutschland.
Den Protest der Forster Ärztinnen und Ärzte unterstützend, wollen wir am17. November 2005 unsere Praxen unter nachstehendem Motto (siehe Anlage) geschlossen halten.
Wir haben Notdienste aller Fachrichtungen organisiert (siehe Anlage). Die Notaufnahme und die Rettungsleitstelle sind informiert.
Am 17.11.2005 findet eine Veranstaltung zur aktuellen Honorarverteilung im Hörsaal des CTK statt, in der Herr MUDr./CS Noack erste Aussagen machen kann.
Um ein einheitliches Auftreten in den Medien zu bewirken, veranstalten wir am Mittwoch, den 16.11.2005 eine Pressekonferenz, in der unsere Anliegen artikulieren. Teilnehmerkreis: Kollegen Noack, Lerche, Fenske, O. Fürstenhöfer.
Um Ihnen argumentativen Beistand gegenüber den Patienten und anderen Interessierten zu leisten, im folgenden einige Argumentationsbausteine:
Allgemeine Situation:
Den Brandenburger Vertragsärzten stehen über 20 Prozent weniger Finanzmittel zur Versorgung der Patienten zur Versorgung, als in den Alt-Bundesländern! Und dies, obwohl in Brandenburg wesentlich mehr ältere Menschen, chronisch Kranke und multimorbide Patienten versorgt werden müssen!
In Brandenburg gibt es, bezogen auf die Bevölkerung, bundesweit die wenigsten Vertragsärzte!
- In vielen ländlichen Regionen gibt es heute bereits zu wenig Ärzte, die mehr Patienten versorgen müssen, als ihre Kollegen im Westen (rund 30 Prozent!). Hinzu kommen. die langen Wege, die Ärzte im Haus- und Bereitschaftsdienst zurücklegen müssen.
- Angesichts dieser enormen Belastungen und der keinesfalls auch nur annähernd adäquaten Vergütung ist die Qualität der ambulanten medizinischen Versorgung der Bevölkerung nicht mehr aufrecht zu erhalten.
- Immer schwerer wird es, junge Mediziner zu finden, die sich in Brandenburg angesichts der Finanzierungssituation niederlassen wollen.
- Regulierung des Bürokratismus in der ambulanten Medizin, der unangemessen Kraft und Arbeitszeit am Patienten kostet.
Aktuelle Situation:
Im II. Quartal 2005 gibt es zusätzlich zur ohnehin schon desolaten Honorarsituation ein aktuelles Defizit von rund 7,5 bis 8 Millionen Euro (4 Mio. aus Hartz IV, 2,6 Mio. Bereitschaftsdienst - Kassen zahlen nicht mehr! -, 1,5 Mio. Vorwegabzüge für Integrierte Versorgung). Diese 7,5 bis 8 Millionen Eure fehlen, um die von uns Ärzten bereits erbrachten Leistungen zu honorieren.
Die Folge: Jeder vierte Arzt in Brandenburg hat 10 und mehr Prozent Honorarverlust! Rund 250 Ärzte haben über 15 Prozent .Honorarverlust. In Einzelfällen bekommen Ärzte 40 Prozent ihrer Leistungen nicht mehr honoriert.
Diese Situation ist durch nichts zu kompensieren. Viele Praxen stehen vor dem wirtschaftlichen Offenbarungseid. Arzthelferinnen müssen entlassen werden.
Die ersten Praxen haben bereits geschlossen, mehrere Kollegen wollen Ihre Zulassung zurück geben.
Bei den Hausärzten werden rund 30 Prozent der Leistungen nicht vergütet, bei den Fachärzten rund 50 Prozent.
- 20 Prozent Honorarverlust gegenüber den westlichen Bundesländern durch die Punktwertedifferenz.
- Die Mitglieder privater Versicherungen zahlen 100 Prozent Beitrag, aber unser Gebührenrahmen ist weiterhin auf 90 Prozent begrenzt.
- Mit 70 Prozent des Honorarvolumens der Altbundesländer leisten die Ärzte in den neuen Bundesländern 30 Prozent mehr Arbeit.
Unsere Forderungen lauten:
Endlich. betriebswirtschaftliche Sicherheit und damit Planungssicherheit für Arztpraxen in Brandenburg. Das heißt, Erhalt von Arbeitsplätzen und Absicherung der Versorgung der Patienten in der Zukunft.
Wir fordern ein Sofortprogramm zur Erhaltung der medizinischen Versorgungsqualität.
Um all die für unsere Patienten erbrachten Leistungen auch nur annähernd vergütet zu bekommen, brauchen wir zusätzlich pro Quartal 8-10 Mio Euro. Politik und Krankenkassen müssen dafür sorgen, dass diese Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden, sonst ist eine Eskalation der Versorgungssituation in Brandenburg zu befürchten.
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